Nackte Zahlen. Einsen und Nullen. Ist es das, was unsere Kultur heute definiert? Ich meine nicht nur die ganzen Dinge, die wir auf unserem PC oder in der Cloud speichern oder ins Internet stellen. Unsere gesamte aufgezeichnete Kultur steuert auf eine Digitalisierung zu. Digitale Fotos, digitale Musik, digitale Texte. Digitale Archive. Alles verfügbar auf Speichereinheiten und über Kabel(lose) Verbindungen. Kultur, die man nicht riechen und nicht anfassen kann.
Welche Vorteile es für den Einzelnen hat, wenn Texte digital verfügbar sind, habe ich in einem anderen Blogbeitrag dargelegt. Doch was für das Individuum praktisch ist, ist das gleichzeitig auch wünschenswert für die Kultur als solche? Setzen wir sie nicht einen unberechenbaren Risiko aus, wenn wir alles in Einsen und Nullen übersetzen? Birgt die digitale Technik nicht das Risiko eines Totalverlustes?
Digitales braucht Strom. Digitales braucht Datenträger. Digitales braucht kompatible Geräte. Und in zunehmendem Maße braucht Digitales den vorausgesetzten guten Willen großer Konzerne.
Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit eines globalen und anhaltenden Stromausfalls ist gering – aber sie ist immerhin da, auch wenn man argumentieren mag, dass die Menschheit andere Probleme als Kultur hat, wenn der Strom plötzlich weg ist.
Handfester ist da schon das Problem mit den Datenträgern. Im Gegensatz zu Informationsträgern wie Papier oder Stein sind digitale Datenträger nämlich äußerst kurzlebig und können relativ schnell kaputt gehen. Einer Compact Disc wird eine Lebensdauer von kaum einem Jahrzehnt zugebilligt.
Noch problematischer sind die Geräte und ihre Kompatibilität. Hat schon mal jemand versucht, eine 20 Jahre alte Datei unfallfrei auf einem neuen Gerät zu öffnen. Sicher, im entsprechenden Format abgespeichert, geht das relativ problemlos. Aber schon wenn der Ersteller ein spezielles Programm verwendet hat, das nicht mehr auf aktuellen Geräten läuft, wird es problematisch.
Das größte Problem aber sehe ich darin, dass sich Kulturschätze in digitalisierter Form in den Händen einiger weniger Konzerne befinden. Nehmen wir beispielsweise mal das digitale Buch. Als Nutzer bin ich darauf angewiesen, dass der Konzern, bei dem ich eine Reihe digitaler Bücher gekauft habe, diese nicht nur jetzt (gegen Entgeld) zur Verfügung stellt, sondern auch in 20 Jahren noch. Oder in 40. Vielleicht bin ich bis dahin nicht mehr mit den Geschäftsbedingungen des Konzerns einverstanden oder er legt keinen Wert mehr darauf, dass ich sein Kunde bin. Bleibt mir dann der Zugang zu den bereits erworbenen Gütern verwehrt?
Oder Texte und Fotos. Wir laden sie in zunehmendem Maße in die digitale Wolke und vertrauen darauf, dass wir auch später noch heran kommen. Aber wer gibt einem schon die Garantie, dass mein Benutzerkonto noch in 20 Jahren existiert – oder die Firma noch existiert, bei der ich meine kreativen Daten abgelegt habe?
So praktisch wir das heute alles finden, wir steuern mit unseren Schätzen über ein digitales Meer voller Unwägbarkeiten und sollten jetzt darüber nachdenken, damit wir einen Plan B haben.
Sonst könnte der Verlust unsere Kultur aufgrund ihrer Digitalisierung gar nicht so unwahrscheinlich sein.
Digitalisierung hat viele Vorteile, nutzt man sie doch gerade zur Datensicherung und Archivierung von Printmedien. Außerdem lassen sich damit Schätze sehr schnell kopieren und damit immer wieder aufs Neue wiederfinden (man muss eben bloß rechtzeitig daran denken). Und trotzdem habe ich lieber ein gedrucktes Buch neben mir auf dem Kopfkissen liegen, den Geruch von Druckerschwärze in der Nase und das wohlige Gefühl beim Umblättern in den Fingerspitzen, während ich genüsslich beim Lesen der Zeilen ins Land der Träume versinke.
Die Vorteile, die digitale Archivierung hat, bestreite ich nicht, im Gegenteil. Ich archiviere selbst sehr viel digital, hauptsächlich Fotos. Ich achte aber darauf – zumindest bei Dingen, die mir wichtig sind – mich nicht ausschließlich auf Disc-Datenträger zu verlassen; die dienen allenfalls als Backup des Backups
Seit etwa 30 Jahren beschäftige ich mich mit der Art-und-Weise der optimalen digitalen Arbeitsplattform. Nicht ganz unzählige aber doch eine Menge Varianten habe ich versucht, und zumindest ein gemeinsames Merkmal lässt sich feststellen, das alle Erkundungen begleitet: Sowie erhaltenswerte Inhalte geschaffen wurde stellte sich die Frage nach dem Erhalt, der Sicherung, der Unabhängigkeit von Entwicklungen. Daher schätze ich zunehmend die Möglichkeiten der firmenunabhängigen Erzeugung von Inhalten auf (idealerweise eigenen) Maschinen welche die Internet-Technologien nutzen. Das dann gepaart mit einer Sicherung auf einer komplett anderen Maschine, ohne externe Datenträger wie CDs, DVDs, Sticks gibt mir das Gefühl nichts verlieren zu können das mir wertvoll erscheint, und doch keine schwer organisierbaren Archive aufzubauen mit Datenträgern.
). Aber der Weg ist ein guter.
Was den Medien (noch) fehlt ist das spielerisch leichte Erzeugen von Grafiken und Notizen wie es auf Kreidetafeln möglich war, gepaart mit der Größe und der motorischen Vielfalt (herumlaufen hilft manchmal beim Denken